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Phenoxyethanol in Kosmetik: Was man wirklich wissen sollte

Bild von kosmetischen Inhaltsstoffen in Tropfenform

 

Phenoxyethanol in Kosmetik: Was man wirklich wissen sollte

 

Wer sich einmal genauer mit Inhaltsstofflisten von Kosmetik beschäftigt, merkt schnell: Viele Namen klingen erst einmal sperrig oder verunsichernd. Das ist verständlich. Gleichzeitig hilft es bei Kosmetik aber auch nicht,  nur auf einen Namen zu schauen. Entscheidend ist immer, wofür ein Stoff eingesetzt wird, in welcher Konzentration er enthalten ist und wie er bewertet wird. Für Kosmetikprodukte in der EU gelten dafür klare Regeln: Vor dem Inverkehrbringen braucht jedes Produkt eine Sicherheitsbewertung, und es muss eine verantwortliche Person geben, die die Produktinformationen bereithält.

Ein Stoff, zu dem besonders häufig Fragen auftauchen, ist Phenoxyethanol. Vor allem online liest man dazu immer wieder dieselben Aussagen: schädlich, problematisch, vielleicht sogar krebserregend. Ich finde, man sollte solche Fragen nicht einfach wegwischen. Es gibt Gründe, warum Menschen bei diesem Stoff genauer hinschauen. Aber genau deshalb lohnt sich eine saubere chemische Einordnung statt einer schnellen Schlagzeile.

 

Was ist Phenoxyethanol überhaupt?

 

Phenoxyethanol, genauer 2-Phenoxyethanol, ist ein Konservierungsmittel, das in kosmetischen Produkten eingesetzt wird. In der europäischen CosIng-Datenbank ist es als kosmetischer Inhaltsstoff gelistet; außerdem steht es in Anhang V der EU-Kosmetikverordnung in der Liste der zugelassenen Konservierungsstoffe. Dort ist auch festgelegt, dass er in kosmetischen Mitteln bis zu 1,0 % eingesetzt werden darf.

Seine Aufgabe ist nicht, ein Produkt „schöner“ zu machen, sondern es mikrobiologisch stabil zu halten. Gerade wasserhaltige Produkte brauchen diesen Schutz, weil sich sonst Bakterien, Hefen oder Schimmel leichter vermehren können. Der SCCS, also der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU, beschreibt 2-Phenoxyethanol als breit wirksames Konservierungsmittel gegen ein breites Spektrum von Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen.

 

Warum wird über Phenoxyethanol so kritisch diskutiert?

 

Die Skepsis kommt nicht völlig aus dem Nichts. Zum einen, weil Verbraucher:innen heute viel genauer auf INCI-Listen schauen als früher. Zum anderen aber auch, weil der chemische Hintergrund Fragen aufwirft, die man nachvollziehen kann.

Die industrielle Herstellung von Phenoxyethanol läuft über die Reaktion von Phenol mit Ethylenoxid in alkalischem Milieu. Genau da beginnt für viele die Verunsicherung. Denn sowohl Phenol als auch Ethylenoxid sind Stoffe, die für sich genommen alles andere als harmlos sind.

 

Warum Phenol und Ethylenoxid zurecht kritisch gesehen werden

 

Phenol ist nach ECHA ein gefährlicher Stoff; in den dortigen Informationen wird unter anderem auf akute lokale und systemische Toxizität hingewiesen. Ethylenoxid ist noch kritischer und gehört zu den Stoffen, die in der EU als CMR-Stoffe geführt werden, also als krebserzeugend, mutagen oder reproduktionstoxisch relevant reguliert sind. Dass diese beiden Stoffe kritisch gesehen werden, ist also nicht einfach „Panik“, sondern chemisch und regulatorisch nachvollziehbar.

Genau deshalb finde ich es auch legitim, bei Phenoxyethanol nicht einfach nur zu sagen: „Ist schon alles gut.“ Wer die Hintergründe kennt, darf kritische Fragen stellen. Und aus meiner Sicht sollte man das auch tun.

 

Warum man die Ausgangsstoffe trotzdem nicht mit dem Endstoff gleichsetzen darf

 

Trotzdem wäre es chemisch zu kurz gedacht, die Ausgangsstoffe einfach direkt mit dem fertigen Phenoxyethanol gleichzusetzen. Bei einer chemischen Reaktion entsteht ein neuer Stoff mit neuer Struktur und neuen Eigenschaften. Das fertige Molekül ist 2-Phenoxyethanol und muss deshalb auch als eigenständiger Stoff bewertet werden. Genau das passiert regulatorisch. In der ECHA-CHEM-Übersicht wird 2-Phenoxyethanol nicht als krebserzeugend, mutagen oder reproduktionstoxisch eingestuft.

Das heißt für mich: Die Kritik an Phenol und Ethylenoxid ist berechtigt. Aber daraus folgt nicht automatisch, dass auch das Reaktionsprodukt dieselben Eigenschaften haben muss. Diese Gleichsetzung wäre fachlich falsch.

 

Ist Phenoxyethanol schädlich?

 

Die sachliche Antwort lautet: nein. Wie bei allen Inhaltsstoffen kommt es auf Konzentration, Reinheit, Einsatzbereich und Exposition an.

Der SCCS kommt in seiner Bewertung zu dem Schluss, dass 2-Phenoxyethanol als Konservierungsstoff in kosmetischen Produkten bis zu einer Konzentration von 1,0 % als sicher angesehen wird. Diese Einordnung ist wichtig, weil sie eben nicht auf Bauchgefühl beruht, sondern auf einer toxikologischen Bewertung des Stoffes in seiner kosmetischen Verwendung.

Das heißt nicht, dass man unkritisch sein soll. Es heißt nur: Wenn man Phenoxyethanol bewerten will, sollte man den fertigen Stoff in seiner tatsächlichen Anwendung bewerten — und nicht nur einzelne Schlagworte aus Social Media übernehmen.

 

Ist Phenoxyethanol krebserregend?

 

Nach der europäischen Einstufung lautet die Antwort: nein. In ECHA CHEM ist 2-Phenoxyethanol nicht als krebserzeugend eingestuft. Auch genau deshalb ist es wichtig, die Ebene der Ausgangsstoffe und die Ebene des fertigen Stoffes auseinanderzuhalten.

 

Worauf es aus meiner Sicht wirklich ankommt: Reinheit und Qualität

 

Der entscheidende Punkt ist für mich deshalb ein anderer: Wenn ein Stoff über kritische Ausgangskomponenten hergestellt wird, dann muss die Qualität des fertigen Rohstoffs sauber abgesichert sein.

Dann geht es nicht mehr um reines Schlagwort-Bashing, sondern um die fachlich relevanten Fragen:

  • Entspricht der Rohstoff der geforderten Spezifikation?
  • Ist die Reinheit ausreichend abgesichert?
  • Werden mögliche Restverunreinigungen kontrolliert?
  • Ist der Stoff in der Formulierung stabil?
  • Bleibt das Produkt über die vorgesehene Haltbarkeit sicher?

Genau das ist für mich der Maßstab. Nicht die bloße Existenz eines komplizierten Namens, sondern die Frage, ob der fertige Stoff in der benötigten Qualität vorliegt und im Produkt sicher eingesetzt wird. Dass Kosmetikprodukte vor dem Inverkehrbringen eine Sicherheitsbewertung brauchen und die verantwortliche Person die Produktinformationen bereithalten muss, ist genau Teil dieses regulatorischen Rahmens.

 

Warum Stabilität im Produkt ebenfalls wichtig ist

 

Ein Rohstoff kann noch so gut bewertet sein — am Ende zählt immer das fertige Produkt. Aus meiner Sicht gehört deshalb auch dazu, die Formulierung insgesamt im Blick zu behalten: also ob der eingesetzte Konservierungsstoff über die Zeit stabil bleibt, seine Funktion erfüllt und das Produkt insgesamt sicher bleibt.

Der SCCS beschreibt im Rahmen seiner Bewertung auch physikalisch-chemische Eigenschaften und die Verwendung von 2-Phenoxyethanol als Konservierungsstoff in kosmetischen Formulierungen. Gleichzeitig ist die Produktsicherheit in der EU nicht nur eine Rohstofffrage, sondern immer auch eine Frage der konkreten Formulierung und der Sicherheitsbewertung vor dem Inverkehrbringen.

Ich finde genau das wichtig: Sicherheit ist kein vager Wohlfühlbegriff, sondern etwas, das man durch Spezifikation, Qualitätskontrolle, Stabilitätsbetrachtung und Sicherheitsbewertung sauber absichern kann.

 

Warum wasserhaltige Produkte überhaupt konserviert werden müssen

 

Bei all der Diskussion über einzelne Stoffe wird oft vergessen, worum es im Kern eigentlich geht: Wasserhaltige Produkte brauchen Schutz vor mikrobiellem Verderb.

Sobald Wasser im Produkt enthalten ist, wird die Formulierung anfällig für mikrobielle Belastung. Genau deshalb sind Konservierungssysteme in Cremes, Lotionen, Gels oder Shampoos technisch notwendig. Phenoxyethanol ist einer der Stoffe, die dafür eingesetzt werden können.

Das heißt nicht, dass jeder Konservierungsstoff automatisch ideal ist. Aber es heißt: Ein „ohne Konservierung“ klingt nur so lange nach einer einfachen Lösung, bis man sich ehrlich mit der mikrobiologischen Realität wasserhaltiger Produkte beschäftigt.

 

Wann Produkte oft keine klassische Konservierung brauchen

 

Spannend wird es immer dann, wenn Produkte erst gar kein Wasser enthalten. Denn dann verändert sich die mikrobiologische Ausgangslage.

Gerade konzentrierte, wasserfreie oder pulverförmige Produktkonzepte kommen mit einer deutlich schlankeren Formulierung aus als klassische Flüssigprodukte. Aus meiner Sicht ein sehr interessantes Prinzip — gerade dann, wenn man unnötige Komplexität vermeiden möchte.

 

Was das mit Wasch- und Reinigungsmitteln zu tun hat

 

Genau deshalb finde ich konzentrierte Produktkonzepte auch im Haushalt so spannend. Viele Wasch- und Reinigungsmittel lassen sich so formulieren, dass sie gar kein Wasser im Produkt enthalten. Dadurch braucht man gar keine klassische Konservierung wie bei einem wasserhaltigen Kosmetikprodukt.

Das ist für mich einer der Gründe, warum ich konzentrierte Wasch- und Reinigungsmittel grundsätzlich so sinnvoll finde: Sie sind ressourcenschonender, platzsparender und inhaltlich schlanker aufgebaut.

Passende Beispiele aus meinem Sortiment sind:

 

Mein Fazit zu Phenoxyethanol

 

Phenoxyethanol ist aus meiner Sicht ein gutes Beispiel dafür, wie man Inhaltsstoffe weder schönreden noch pauschal verteufeln sollte.

Ja, der chemische Hintergrund wirft berechtigte Fragen auf.
Ja, Phenol und Ethylenoxid sind Stoffe, die man zurecht kritisch sieht.
Und ja, genau deshalb sind Reinheit, Qualitätskontrolle und Stabilität beim fertigen Rohstoff und im Produkt wichtig.

Aber ebenso klar ist: Das fertige 2-Phenoxyethanol ist ein eigener Stoff mit eigener Bewertung. In der EU ist es als Konservierungsstoff in Kosmetik zugelassen, bis 1,0 % bewertet der SCCS es in dieser Verwendung als sicher, und nach ECHA-Einstufung ist es nicht als krebserzeugend eingestuft.

 

Über die Autorin

Katrin Steinbach ist Diplom-Ingenieurin für Technologie der Kosmetik und Waschmittel, Nachhaltigkeitsexpertin und Gründerin von as Easy as That. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit Waschmitteln, Reinigungsmitteln, Inhaltsstoffen und nachhaltigen Haushaltsprodukten.

➡️ Mehr über Katrin erfahren:
https://aseasyasthat.de/pages/unsere-grunderin

➡️ Presse & Medien:
https://aseasyasthat.de/pages/presse

 

Quellen

  1. Europäische Kommission, CosIng: 2-Phenoxyethanol.
  2. Europäische Kommission, Anhang V – zugelassene Konservierungsstoffe.
  3. Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS), Opinion on Phenoxyethanol.
  4. ECHA CHEM, 2-Phenoxyethanol.
  5. ECHA, Phenol – Substance Information / General substance information.
  6. ECHA, Ethylene oxide – Substance Information / legislation-obligation.
  7. EUR-Lex, Regulation (EC) No 1223/2009 on cosmetic products.
  8. Patents Google, Methods for manufacturing phenoxyethanol.

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